Achtung! Mobber am Arbeitsplatz
Quelle: Dieter Zapf & Claudia Groß (Mobbing – Konflikteskalation am Arbeitsplatz)
Informationen gegen Mobbing, Psychoterror und Diskriminierung!
Definition:
Mobbingopfer werden mindestens einmal wöchentlich über einen Zeitraum von einem halben Jahr hinweg unqualifiziert angegriffen, angefeindet, schikaniert oder diskriminiert. Es werden üble Gerüchte verbreitet, wichtige Unterlagen verschwinden, man redet nicht mehr mit einem, bekommt abschätzige Blicke zugeworfen, kleine Versäumnisse werden aufgebauscht, usw. Mobbingopfern wird nach der Definition die Möglichkeit genommen, sinnvoll zu kommunizieren.
Die Angst vor dem drohenden Verlust der Arbeit, der damit verbundene gesellschaftliche Abstieg als Konsequenz,ist die Hauptursache für diese Art Psychoterrors unter Mitarbeitern. Die Opfer von Mobbingattacken schweigen leider oft aus Angst und Schamgefühlen. Das ist zwar ein Fehler, aber unter dem enormen Druck der Betroffenen auch veständlich. Mobbing macht krank, die Produktivität und der Ruf des Betriebes leiden.
Bei Mobbing spielen auch Rahmenbedingungen wie wirtschaftliche Lage, Umstrukturierungs- und Rationalisierungsprozesse sowie die Arbeitsmarktlage eine wichtige Rolle. Mobbing hat in denjenigen Betrieben und Verwaltungen kaum Chancen, wo der Mensch im Mittelpunkt steht.
Fast immer sind an Mobbingkonflikten sowohl personen- als auch betriebsbezogene Faktoren und Auslöser beteiligt. So sind denn auch zwischenmenschliche Konflikte, die zu Mobbing eskalieren, immer auf dem Hintergrund belastender und problematischer Arbeitssituationen zu sehen.
Es sind vor allem Mängel in der Arbeitsorganisation, Unzulänglichkeiten in der Gestaltung der Arbeitsinhalte und Defizite in der Organisation kommunikativer und sozialer Prozesse, die die Entstehung von Konflikten und Mobbingprozessen begünstigen und fördern.
Wer schweigt, macht mit, wer Mobbing zulässt, stärkt es. Werden Sie aktiv.
Ursachen von Mobbing: Quelle: D. Zapf 1999
I) Begründet in der Organisationsstruktur des Betriebes
1.) Führung und Unternehmenskultur ( fehlende soziale Kompetenzen,
keine klaren Ziele, eine unstimmige Haltung,
nicht gelebte Werte, Defizite im Führungsstil )
2.) Hierarchisches Denken,
3.) schlechter Kommunikationsstil,
4.) fehlende Gesprächsbereitschaft,
5.) keine Konfliktkultur ( unzureichendes Konfliktmanagement und
mangelhafte Konfliktlösungskompetenzen )
II) Arbeitsbedingungen
Mangel an Personal,
Leistungsdruck,
Über-bzw. Unterforderung des Personals,
schlechte Organisation und Planung der Arbeitszeiten,
negativer, krankmachender Stress
III) Arbeitsorganisation
gestörter Informationsfluss, unstrukturierte Arbeitsabläufe,
mangelhafte Verantwortung, geringe Handlungsspielräume,
fehlende Entscheidungstransparenz,
Zuständigkeiten missverständlich und nicht deutlich abgegrenzt
IV) Rationalisierungsmaßnahmen
Outsourcing, Stellenabbau, Umorganisationen bzw. Neustrukturierung des Arbeitsplatzes
V) Sozialbeziehungen
Konkurrenz, Feindseligkeit, Neid, Gruppendruck, mangelnde Kooperation, geringe kollegiale Unterstützung
VI) Mobber Persönlichkeitsstruktur
VII) Mobbingopfer Persönliche Qualifikation, soziale Kompetenz
Alarmsignale für ein drohendes Mobbing
* Gespräche verstummen plötzlich, wenn Sie dazukommen.
* Sie werden nicht mehr gegrüßt bzw. Ihr Gruß wird nicht mehr erwidert.
* Es werden unsachliche Andeutungen gemacht und gezielt Gerüchte in Umlauf gebracht.
* Kleine Fehler und Versäumnisse werden aufgebauscht.
* Man lässt Sie links liegen, geht Ihnen bewusst aus dem Weg.
* Sie werden nicht mehr über betriebliche Belange informiert,
sodass Sie immer häufiger aufgrund von Unwissenheit "dumm" dastehen.
* Ihre Aussagen werden verfälscht wiedergegeben.
* Die Zusammenarbeit mit Ihnen wird boykottiert.
* Kleine Versäumnisse werden aufgebauscht.
* Hinter Ihrem Rücken oder auch offen wird über Sie getratscht.
* Sie merken, wie gegen Sie eine Art unsichtbare Mauer errichtet wird;
es kommt zu Front- und Parteienbildungen.
* Gehen Sie auf Ihre Kollegen zu und sprechen sie darauf an,
wenn Sie plötzlich nicht mehr gegrüßt werden. Am besten zunächst unter vier Augen.
So geben Sie ihm die Chance, einzulenken, ohne sein Gesicht zu verlieren.
* Fragen Sie nach den Gründen, wenn die Kollegen bei Ihrem Auftauchen verstummen.
Auch wenn es Sie große Überwindung kostet und Sie Angst davor haben,
Negatives zu erfahren oder alles noch zu verschlimmern, ist dies der bessere Weg.
* Fertigen Sie sich Aufzeichnungen über die Schikanen an.
Wie und wann sind Angriffe erfolgt? Wer war daran beteiligt?
Welche Folgen hatte dies für Sie?
* Holen Sie sich Unterstützung bei unbeteiligten Kollegen, Freunden, in einer
Selbsthilfegruppe oder bei Ihrem Partner. Sie sollten auf keinen Fall verstummen
und die ganze Angelegenheit mit sich alleine ausmachen.
Allerdings sollten Sie nicht allzusehr auf die Hilfe Ihrer Kollegen hoffen.
Aus Angst solidarisieren sich diese selten offen mit dem Mobbing-Opfer.
Aber eine moralische Unterstützung kann auch schon viel wert sein.
* Fragen Sie sich, mit welchen Eigenarten und Verhaltensweisen Sie selbst dazu beitragen,
in die Opferrolle zu kommen. Können Sie daran etwas ändern?
* Versuchen Sie herauszufinden, weshalb der andere sich so unkollegial verhält.
Jemand, der mit Intrigen und Gemeinheiten operiert, fühlt sich in irgendeiner
Weise bedroht und angegriffen. Obwohl Intrigen und Schikanen zunächst wie Angriffs-
waffen aussehen, können wir bei näherem Hinschauen erkennen, dass es Verteidigungs-
waffen sind. Möglicherweise wählt der andere zwar Sie als Angriffspunkt, meint aber
in Wirklichkeit die Firma, den Chef oder seine gesamte Lebenssituation.
Diese Erkenntnis löst den Konflikt zwar nicht, aber Sie fühlen sich weniger bedroht
und können ruhiger handeln.
* Machen Sie die schlechte Zusammenarbeit zum Thema in der Arbeitsbesprechung oder
Teamsitzung. Sollten schlechte Arbeitsbedingungen oder Organisationsstruktur die
Ursache für Mobbing sein, muss generell etwas in der Firma geändert werden.
Dann ist es nicht sinnvoll, dass Sie Ihren Rücken dafür hinhalten.
* Ständiges Mobing zermürbt und verunsichert. Es ist normal, dass man psychisch
darunter leidet. Wenn die psychische Belastung für Sie sehr groß ist, dann nehmen
Sie bitte eine psychologische Beratung in Anspruch. Gerade jetzt benötigen Sie
mehr denn je einen Gesprächspartner, der Ihnen den Rücken stärkt.
Rechtliche Schritte sind momentan noch nicht sehr erfolgversprechend. Richter an den Arbeitsgerichten sagen, dass bislang nur in ganz wenigen Fällen Mobbing-Opfer Aussicht hatten, zu ihrem Recht zu kommen. Die Beweislast liegt beim Mobbing-Opfer. Es muss nachweisen, dass sein Persönlichkeitsrecht und seine Würde verletzt wurden - und zwar systematisch. Hier stehen dann meist Aussage gegen Aussage. Die Kollegen sind selten bereit, sich mit dem Mobbing-Opfer zu solidarisieren.
Und wenn diese Strategien nicht weiterhelfen?
Dann müssen Sie stärkere Geschütze auffahren:
* Nutzen Sie Ihr Beschwerderecht bei Ihrem Arbeitgeber.
Nach dem Betriebsverfassungsgesetz (§ 84 I BetrVG) ist allen erlaubt,
sich über ungerechte Behandlungen bei ihm zu beschweren.
Der Arbeitgeber muss dann entscheiden, ob er die Beschwerde für zulässig hält.
Wenn ja, muss er sich der Angelegenheit annehmen und für eine Verbesserung der
Situation sorgen. Er kann eine Abmahnung androhen oder aussprechen,
eine Versetzung veranlassen oder sogar kündigen.
* Nutzen Sie das Beschwerderecht beim Betriebsrat (nach § 85 I BetrVG).
Dieser wir sich mit dem Arbeitgeber auseinandersetzen, wenn er die Beschwerde für berechtigt hält.
* Fordern Sie den Belästiger schriftlich zur Unterlassung auf.
* Schalten Sie die Sozialberatung Ihrer Firma ein.
Wer schweigt, macht mit, wer Mobbing zulässt, stärkt es. Werden Sie deshalb aktiv.
Die 45 Handlungen der Mobber! „Leymann Liste“
Diese Handlungen sollen eine Hilfestellung beim Erkennen von Mobbing sein und wurden von Heinz Leymann aus Interviews von Mobbingbetroffenen entnommen. Die Palette dieser Handlungen sind sehr vielfältigt und lassen sich in Gruppen einteilen.
Eine Reihe von Handlungen findet sich im Mobbinggeschehen immer wieder.
• 1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen:
o Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern.
o Man wird ständig unterbrochen.
o Kollegen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern.
o Anschreien oder lautes Schimpfen.
o Ständige Kritik an der Arbeit.
o Ständige Kritik am Privatleben.
o Telefonterror.
o Mündliche Drohungen.
o Schriftliche Drohungen.
o Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten.
o Kontakverweigerung durch Andeutungen, ohne daß man etwas direkt ausspricht.
• 2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen:
o Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen.
o Man läßt sich nicht ansprechen.
o Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen.
o Den Arbeitskollegen/innen wird verboten, den/die Betroffene/n anzusprechen.
o Man wird «wie Luft» behandelt.
• 3. Auswirkungen auf das soziale Ansehen:
o Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen.
o Man verbreitet Gerüchte.
o Man macht jemanden lächerlich.
o Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein.
o Man will jemanden zu einer psychischen Untersuchung zwingen.
o Man macht sich über eine Behinderung lustig.
o Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen.
o Man greift die politische oder religiöse Einstellung an.
o Man macht sich über das Privatleben lustig.
o Man macht sich über die Nationalität lustig.
o Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewußtsein verletzen.
o Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher und kränkender Weise.
o Man stellt die Entscheidungen des/der Betroffenen in Frage.
o Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte oder andere entwürdigende Ausdrücke nach.
o Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote.
• 4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation:
o Man weist dem Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu.
o Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so daß er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann.
o Man gibt ihm sinnlose Arbeitsaufgaben.
o Man gibt ihm Aufgaben weit unter seinem eigentlichen Können.
o Man gibt ihm ständig neue Aufgaben.
o Man gibt ihm «kränkende» Aufgaben.
o Man gibt dem Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seine Qualifikation übersteigen, um ihn zu diskreditieren.
• 5. Angriffe auf die Gesundheit:
o Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten.
o Androhung körperlicher Gewalt.
o Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemanden einen «Denkzettel» zu verpassen.
o Körperliche Mißhandlung.
o Man verursacht Kosten für den/die Betroffene, um ihm/ihr zu schaden.
o Man richtet physischen Schaden im Heim oder am Arbeitsplatz des/der Betroffenen an.
o Sexuelle Handgreiflichkeiten.
Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Bevormundung hemmt sein Reifen.
Zitat von Johann Gottfried Frey (1762-1831)